Mit Sicherheit schneller am Ziel

28.09.2011

Unfallverhütung ist auch beim StaplerCup allererstes Gebot. Deshalb sprach Materialfluss im Vorfeld mit dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der DGUV über Unfälle und die Kosten, die sie verursachen.

Wie viele Betriebsunfälle ereignen sich jährlich in Deutschland?

Jedes Jahr gibt es bei uns zwischen 900.000 und einer Million meldepflichtigen Arbeitsunfälle. Das ist ein großer Fortschritt gegenüber den 1,8 Mio. Unfällen, die wir noch Anfang der 1990er hatten, aber immer noch zu viel. Hinzu kommen die Wegeunfälle, die im vergangenen Jahr erstmals seit langem wieder über 200.000 Unfällen lagen.

Das ist sicher teuer für die Wirtschaft. Welche Kosten ergeben sich durch einen Arbeitsunfall für einen Betrieb?

Die Kosten sind in der Tat enorm. Volkswirtschaftlich gesehen gehen sie in die Milliarden. Darunter sind die Kosten der gesetzlichen Unfallversicherung für Rehabilitation und Renten, für die letztlich auch die Arbeitgeber mit ihren Beiträgen geradestehen müssen. Auf der Ebene des einzelnen Unternehmens können aber weitere Kosten anfallen, zum Beispiel durch nicht eingehaltene Lieferfristen oder für die Beschäftigung einer Ersatzarbeitskraft anstelle des verunfallten Mitarbeiters.

Bei welchen Vorfällen spricht man überhaupt von Arbeitsunfall?

Gesetzlich ist ein Arbeitsunfall als Unfall definiert, der sich infolge der versicherten Tätigkeit ereignet. Es reicht also nicht, dass sich der Unfall auf der Arbeit ereignet hat. Wenn Sie zum Beispiel beim Essen in der Kantine einen Unfall haben, ist dies kein Arbeitsunfall. Der Lkw-Fahrer, der beim Warentransport auf der Autobahn einen Unfall hat, hatte dagegen einen Arbeitsunfall.

In welchen Bereichen stecken die größten Risiken?

Unfallschwerpunkte sind ganz klar Branchen wie der Bau, das Handwerk, die Nahrungsmittelproduktion und die Verkehrsbranche. Darüber hinaus haben kleinere und mittelgroße Betriebe in der Tendenz auch mehr Unfälle als Großunternehmen.

Konkurrenz- und Zeitdruck sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Ist die Zahl der Betriebsunfälle dadurch gestiegen?

Das können wir in der Gesamtstatistik so nicht beobachten. Insgesamt ist die Arbeit in den vergangenen Jahren in Deutschland eher sicherer geworden. Es ist allerdings richtig, dass im Einzelfall Stress und Zeitdruck auch das Unfallrisiko steigen lassen können. Daher sollten Arbeitgeber wie Arbeitnehmer darauf achten, bei allem Zeitdruck nicht kopflos zu reagieren, worauf wir auch in unserer Präventionskampagne „Risiko raus!“ aufmerksam machen.

An wen wendet sich Ihre Präventionskampagne „Risiko raus!“ und worum geht es hier?

„Risiko raus!“ ist unsere Präventionskampagne zum sicheren Fahren und Transportieren. Jeder vierte Unfall im Betrieb ereignet sich beim innerbetrieblichen Transport. Hinzu kommen mehrere tausend Arbeitsunfälle im Straßenverkehr, die häufig schwere Folgen haben. Auf der Straße sterben ungefähr genauso viele Menschen durch Arbeitsunfälle wie im Betrieb. Die Kampagne will daher Arbeitgeber, Führungskräfte, aber auch die Beschäftigten dafür gewinnen, beim Fahren und Transportieren die Sicherheit nicht zu vergessen. Eine weitere Zielgruppe sind Schüler, Eltern und Lehrkräfte – denn auch auf dem Weg zur Schule geschehen jedes Jahr sehr viele Unfälle.

Sie unterstützen mit „Risiko raus!“ den StaplerCup, die Deutsche Meisterschaft der Staplerfahrer. Wo liegt die Verbindung?

Zunächst einmal beim Thema innerbetrieblicher Transport. Uns gefällt aber auch die Philosophie des StaplerCups. Nicht allein die Geschwindigkeit zählt. Sicherheit und Geschicklichkeit spielen eine mindestens ebenso große Rolle. Das ist für „Risiko raus!“ ein idealer Anknüpfungspunkt.

Wie trägt eine Veranstaltung wie der StaplerCup zur Sicherheit in Betrieben bei?

Wenn Sicherheit in einem Wettbewerb wie dem StaplerCup unterhaltsam verpackt ist, dann ist das besonders wirksame Prävention! Die Teilnehmer sind durch das Reglement angehalten, alle Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Das schärft das Bewusstsein für sicheres Arbeiten – auch im beruflichen Alltag.

Was kann man als Chef oder Unternehmer sonst tun, um die Mitarbeiter vor Betriebsunfällen zu schützen?

Bei Transportunfällen gibt es mehrere Stellen, an denen der Unternehmer in der Prävention ansetzen kann. Er kann zum Beispiel dafür sorgen, dass innerbetriebliche Verkehrswege so angelegt werden, dass eine gute Sichtbarkeit gewährleistet ist. An Laderampen können bauliche Maßnahmen verhindern, dass Unfälle geschehen. Und im Straßenverkehr gibt es inzwischen technische Lösungen wie Fahrerassistenzsysteme, die die Sicherheit erhöhen. Nicht zuletzt hilft eine gute Arbeitsorganisation, Belastungsspitzen, Zeitdruck und damit Unfälle zu vermeiden. Gerade wenn die Hektik groß ist, nimmt nämlich die Neigung zu, Sicherheitsvorkehrungen wie zum Beispiel die Ladungssicherung nicht oder nur halbherzig vorzunehmen.

Welcher Maßnahme messen Sie einen höheren Nutzen bei: technischen Sicherheitslösungen oder Schulung der Mitarbeiter?

In der Hierarchie der Präventionslösungen ist technischen Lösungen der Vorzug vor Lösungen zu geben, die das menschliche Verhalten beeinflussen sollen. Allerdings gibt es nicht für jedes Sicherheitsproblem auch eine technische Lösung. Daher handelt es sich in vielen Fällen nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch von technischer und Verhaltensprävention.

Was gehört noch zu erfolgreichem Risikomanagement?

Arbeitsschutzmanagementsysteme. Sie helfen dabei, den Arbeitsschutz in die Betriebsabläufe und damit in die Kultur des Unternehmens selbst zu integrieren. Werden Sicherheit und Gesundheitsschutz bei allen Aufgaben mitgedacht, ist das ein Quantensprung für die Prävention.

Die Investitionen, die in Effizienz und Sicherheit fließen, sind geringer als die durch Unfälle verursachten Kosten?

Ganz klar ja. Eine wirtschaftliche Untersuchung zum Kosten-Nutzenverhältnis der Prävention hat ergeben, dass das wirtschaftliche Erfolgspotenzial der Prävention bei 1,4 Euro je investiertem Euro liegt.

Mit welchen Mitteln unterstützt „Risiko raus!“ die Betriebe bei einer Änderung der Sicherheitskultur?

Information, Sensibilisierung und Motivation. Wir stellen eine Fülle von Informationsmaterialien zur Verfügung, beraten die Betriebe vor Ort speziell zu Fragen der Sicherheit beim Fahren und Transportieren und schulen Multiplikatoren.

Wie ist die Resonanz?

Die Resonanz und das Interesse an „Risiko raus!“ sind gewaltig. Mehrere tausend Beratungen, Seminare und betriebliche Aktionstage sprechen eine deutliche Sprache.

Interview mit Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer der DGUV


Über die DGUV

Die DGUV ist der Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand in Deutschland. Ihre Mitglieder versichern mehr als 75 Mio. Unternehmer, Schüler, Studierende, Menschen in Deutschland – 38-Walter EichendorfArbeitnehmer, ehrenamtlich Tätige – gegen das Risiko eines Arbeits-, Schul- oder Wegeunfalls oder einer Berufskrankheit.

Weitere Informationen zur Kampagne „Risiko raus!“ finden Interessierte unter www.risiko-raus.de Informationen rund um den StaplerCup stehen unter www.staplercup.com zur Verfügung.

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V.
E-Mail: info@dguv.de; www.dguv.de

Linde Material Handling GmbH,
E-Mail: info@linde-mh.de, www.staplercup.com

Anzeige

weitere Themen

Flurförderzeuge

Illustration

Innovative und nachhaltige Lösung

Globale Megatrends wie die Urbanisierung, Globalisierung und Individualisierung stellen neue Herausforderungen an die Logistik, vor allem unter dem Aspekt der Umweltverträglichkeit und Ressourcenschonung. Daraus ergeben sich aber auch Marktchancen für [...]

Illustration

Weil innere Werte zählen

Schaut man bei Staplern auf „grüne Werte“, muss man vor allem einen Blick auf den Motor werfen. Hier hat der neue Nissan nicht nur in puncto Energieeffizienz einiges zu bieten.
Der [...]

Illustration

Batterieladetechnik für Sparer und Planer

Gemeinsam mit dem Vertriebspartner Keckeisen Akkumulatoren aus Memmingen präsentieret Fronius die Produktreihe Selectiva.
Mit der Produktfamilie Selectiva offeriert das österreichische Unternehmen Fronius Batterieladesysteme für Antriebsbatterien, die technisch auf dem höchsten [...]

Illustration

Ex-Deichselstapler und Vierwege-Stapler

Auf der LogiMAT stellte die Sichelschmidt GmbH gemeinsam mit ihrem süddeutschen Vertriebs- und Servicepartner Stapler Center Pieckert GmbH zwei Flurförderzeuge aus, die stellvertretend für das Sichelschmidt-Programm an hochwertigen und langlebigen [...]

Bionik senkt Befüllzeit

Von der Natur inspiriert ist die neuste Entwicklung der Ingenieure des KIT.
Um die porösen Elektroden von Lithium-Ionen-Batterien schneller mit flüssigem Elektrolyten zu befüllen, nutzen sie einen physikochemischen Effekt, der auch [...]

Illustration

Von 500 kg bis 350 t

Die LogiMAT nahm die Hubtex-Gruppe zum Anlass, ihre nun erweiterte Produktpalette mit Tragfähigkeiten von 500 kg bis 350 t für praktisch alle Branchen vorzustellen.
Ein Beispiel ist der Elektro-Mehrwege-Seitenstapler MS [...]

Lösungen fürs Flottenmanagement

Die Burger Hub- und Transportmittel GmbH repräsentierte auf der LogiMAT 2012 wieder die Marke TCM.
Im Mittelpunkt des Messeauftritts standen – neben den Staplern – insbesondere Lösungen für kleinere bis [...]

Illustration

Präzise und verschleißfest

Die Hoesch Schwerter Profile GmbH entwickelt in enger Zusammenarbeit mit einzelnen Unternehmen oder Branche Spezialprofile aus Stahl.
Im Gegensatz zur Massenproduktion anderer Anbieter fertigt das Schwerter Werk Produkte, deren Eigenschaften [...]

Illustration

Nicht immer lohnt der Kauf

Manchmal lohnt es sich nicht, ein Flurförderzeug zu kaufen, manchmal fehlt ganz einfach das Bargeld. Doch auch dann müssen Unternehmen nicht auf ein neues Gerät verzichten, denn es gibt eine [...]

Anzeige

Suchen

Newsletteranmeldung