Flexibel zu neuen Traktoren

08.09.2010

Valtra setzt in seinem Werk seit neuestem auf fahrerlose Transportsysteme. Der Clou dabei: Die FTS sind über ein ausgeklügeltes Netzwerk in die übergeordnete Logistikstrategie des Unternehmens integriert. Der finnische Traktorhersteller Valtra hat die Beschickung seiner Fertigungslinie durch ein FTS der Firma Rocla automatisiert.

Die Anforderungen der Taktproduktion und der hohe Grad an Ausrüstungsvariationen werden durch das System optimal unterstützt. Der Lieferumfang des FTS umfasst Roclas mehrfach ausgezeichnetes fahrerloses Transportfahrzeug (FTF), ein Lagerverwaltungssystem sowie ein auf die Fertigung abgestimmtes Lagerkonzept. Das FTS ist für die Beschickung der Achskomponenten zuständig. Diese werden taktgenau an die Montageplätze geliefert.

Die voll automatische Durchführung der Transporte gibt dem Mitarbeiter mehr Kapazität, um sich komplexeren Aufgaben zu widmen. Neben der Beschickung wird das FTF auch zum Transport schwerer Komponenten am Anfang der Fertigungslinie angewendet. Für die Zukunft ist es möglich, das System an Änderungen in der Produktion anzupassen oder zu erweitern. Das Valtra-Werk in Suolahti, Finnland produziert jährlich 11 000 kundenspezifische Traktoren, welche zum großen Teil exportiert werden.

Eine reibungslose Intralogistik ist maßgebend, um den Materialfluss aufrecht zu halten und somit die Produktion zu Gewährleisten. Deshalb war die Flexibilität ausschlaggebend, wie Sami Savolainen, Entwicklungsingenieur bei Valtra, erläutert: „und genau aus diesem Grund haben wir uns für ein FTS und nicht für fest installierte Fördersysteme entschieden, denn die Automatisierung ist vorteilhaft für die produktspezifische Kommissionierung.„

Früher: viele Teile und lange Suche
Die Produktion, die Flexibilität und die Optimierung der Lagerkomponenten waren wichtige Aspekte für Valtra bei der ValtraWahl einer effizienten Lösung für ihre Fertigung. Ursprünglich wurden alle Komponenten an den Montageplätzen gelagert, unabhängig vom Produktionsplan. Dies verursachte eine hohe Anzahl von nicht benötigten Komponenten an den Montageplätzen, an welchen die Vormontage und die Endmontage durchgeführt wurden. Dies verlangsamte die Arbeit, da benötigte Einbauteile gesucht wurden und die Arbeitsplätze mit unnötigen Teilen überladen waren. Die Lösung war es die Lagerung der Komponenten sowie die Vormontage von den Arbeitsplätze zu entfernen.

Heute sind lediglich die Komponenten für den nächsten Traktor an den Montageplätzen vorgesehen. Diese werden durch das FTS Just-in-Time an die Montageplätze geliefert. Durch die produktspezifische Beschickung hat der Mitarbeit die Möglichkeit, sich auf die eigentliche Montage zu konzentrieren. Dies hat zu einer Vereinfachung des Arbeitsablaufs beigetragen, und die Effizienz der betroffenen Stationen wurde deutlich erhöht. Die Produktivität der gesamten Montagelinie wurde hierdurch wesentlich verbessert. Das autarke FTS erhält seine Transportaufträge von dem Lageverwaltungssystem.

Dieses im Lieferumfang des FTS-Auftrags enthaltende WMS von Rocla steuert die Transportaufträge für die Fahrzeuge. Während der Produktion operiert das FTS völlig autark, es erhält die Transportaufträge vom WMS, welches alle Materialbewegungen kontrolliert und verwaltet. Die Transportaufträge werden abhängig vom Produktionsplan generiert. Das WMS ist dem bestehenden Produktionsleitsystem untergeordnet; die Reihenfolge der Transportaufträge sind vom Produktionsablauf abhängig. Im Bedarfsfall können jederzeit priorisierte Transportaufträge in das System eingepflegt werden.

„Mich hat der einfache Aufbau der Anlage überzeugt. Das System operiert ohne Detektoren oder I/O-Schnittstellen. Hinzu kommt, dass keine größeren Installationen oder Änderungen in der Infrastruktur unserer Produktion notwendig waren. Die für unsere Produktion notwendigen Transporte werden von dem FTS völlig autark durchgeführt“, ergänzt Savolainen.

Die FTF operieren innerhalb der Produktion. Arbeiter und andere Flurförderzeuge bewegen sich in der gleichen Umgebung. Personen werden durch Signallichter an schwer einsehbaren Stellen über kommende FTF in Kenntnis gesetzt. Die Sicherheitsprotokolle des FTS haben zur Verbesserung der Arbeitssicherheit im gesamten operativen Bereich der FTF beigetragen. Die Sicherheitssensoren (Laserscanner) der Fahrzeuge erfassen die Fahrwege und generieren einen Nothalt, wenn ein unbekanntes Objekt vor dem Fahrzeug auftaucht.

„Ein entscheidender Faktor für unseren Beschluss, ein System von Rocla zu kaufen, war das Know-how des Unternehmens. Für uns war es wichtig, dass Rocla auf Jahrzehnte lange Erfahrung bei der Installation von FTS zurückgreifen kann“, erklärt Savolainen die Entscheidung für Rocla.

Dass die Lösung ein Erfolg ist, zeigt auch die Erweiterung des bestehenden Systems, über die kurz nach der Inbetriebnahme entschieden wurde und die ebenfalls von Rocla implementiert wurde. Hierbei handelt es sich um eine semiautomatische Kommissionierungs- Lösung (Pick to AGV). Ein Mitarbeiter läuft FlexibelzuneuenTraktorenmit dem Fahrzeug durch die Kommissionierungszonen. Die Bedarfsliste wird über einen Bildschirm (Visual Assistent) am Fahrzeug dem Kommissionierer angezeigt.

Das Fahrzeug fährt autark an die Regalpositionen der Mitarbeiter, lädt das Fahrzeug und quittiert den Vorgang über einen Tastschalter am Fahrzeug. Sobald alle Komponenten geladen sind fährt das FTF selbstständig an die Montagestation. Die Komponenten werden auf ein kundespezifisches Gestell geladen. Diese Anwendung hat die Produktivität der Montagestationen wesentlich erhöht und den Kommissioniervorgang sowie das Lager optimiert. An den Montagestationen gibt es etwa 80 verschiedene kundenspezifische Ausführungen. Die Automatisierung der Beschickung dieser Stationen spart dem Mitarbeiter wichtige Zeit und verringert die Möglichkeit von Montagefehlern.

Valtra Oy Ab, E-Mail: evaltra@valtra.com, www.valtra.de
Rocla OYJ, E-Mail: rocla@rocla.com, www.rocla.com

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