Ausweg aus der Klemme
23.06.2010
Auf die Krise folgt die Kredit-Klemme: Vor allem Mittelständler haben größere Schwierigkeiten, ihre Investitionen zu finanzieren. Beim Staplerkauf scheint das nicht zuzutreffen, hier sind Finanzierungen gang und gäbe.
Sie werden stark nachgefragt – und auch gewährt. Rental, Leasing, Mietkauf: Mit der Auswahl eines Gerätes sind die Entscheidungen noch nicht beendet, die bei der Anschaffung eines Staplers zu treffen sind. Und wenn sich der Anwender für eine Grundform der Finanzierung entschieden hat, gibt es weitere Wahlmöglichkeiten. Es gilt die Laufzeit festzulegen (teilweise sind bis zu 84 Monate möglich) und die Service-Optionen, die im Finanzierungspaket enthalten sind.
Selbst die Art der Ratenzahlung lässt sich bei einigen Anbietern an die Anforderungen anpassen. Wer bei den Zeppelin-Händlern einen Hyster-Stapler finanziert, kann zum Beispiel die Höhe der Rate an saisonale Schwankungen anpassen oder einen degressiven Ratenverlauf wählen, bei dem die Leasing-Rate mit steigenden Reparaturaufwendungen sinkt. Auch Mietvorauszahlungen sind möglich, um die monatlichen Raten zu verringern und den Zinsaufwand zu reduzieren. Dass solche Modelle grundsätzlich sinnvoll ist, zeigt der Markt: Bei Jungheinrich wird heute bereits jeder dritte Stapler gemietet oder geleast. Bei Toyota sind 50% aller Geräte, die im Direktvertrieb verkauft werden, Rentalfahrzeuge.
Zusätzliche Kreditlinie
Bei diesen beiden Herstellern – und nicht nur bei ihnen – steigt weiterhin die Tendenz zum Mieten statt Kaufen. Das ist nicht überraschend. Denn der Anwender, der auf diese Weise vom Käufer zum Mieter wird, profitiert davon, dass er liquide Mittel anderweitig nutzen kann. Und über den Staplerhersteller bzw. dessen Händler wird ihm eine zusätzliche Kreditlinie eröffnet, die andere Finanzierungslösungen unberührt lässt.
Außerdem belasten die Geräte nicht die Bilanz und bilanzielle Kennwerte – und der Stapler-Nutzer hat elegant das Vermarktungsrisiko am Ende der Nutzung gelöst. Oder er legt vertraglich fest, dass er den Stapler am Ende der Laufzeit zu einem festgelegten Preis übernehmen kann. Angesichts dieser Vorteile ist es nicht erstaunlich, dass Jungheinrich im Jahr 2008 Flurförderzeuge im Neuwert von 1,45 Mrd. Euro im Finanzierungs- bzw- Leasing-Bestand hatte – Tendenz nachhaltig steigend. Im Vergleich zum Vorjahr wurden über 15% mehr Verträge abgeschlossen; ihr Wert lag bei 420 Mio. Euro.
Als Unternehmen mit eigenem Händlernetz hat Jungheinrich die Finanzierung in eigener Hand. Linde Material Handling hat für diese Aufgabe die Linde Leasing GmbH gegründet, die den Händlern einheitliche Angebote zur Verfügung stellt. Zeppelin arbeitet bei der Finanzierung der Hyster-Geräte mit der Gefa, Europas größter Gesellschaft für Objektfinanzierungen, zusammen und sieht darin den Vorteil, dass der Finanzierungspartner bestens über die Werthaltigkeit Bescheid weiß und den Objektwert in seine Entscheidungen einbezieht.
Eigentumsübergang oder Rückgabe
Grundsätzlich gibt es für die Finanzierung der Hyster-Stapler zwei Modelle: einen Teilamortisationsvertrag, bei dem der Eigentumsübergang im Vordergrund steht, und einen kündbaren Mietvertrag, wenn der Anwender die Rückgabe der Geräte plant. Zudem hat der Kunde die Option auf einen Mietkauf, was einem klassischen Kredit entspricht.
Auch wenn Finanzierungsmodelle nach Auskunft der Staplerhersteller zurzeit besonders gefragt sind, gibt es keinen Trend für eine bestimmte Art.
Matthias Fischer, Geschäftsführer von Toyota Material Handling Deutschland: „Momentan können wir keine eindeutige Aussage darüber treffen, welche Finanzierungsmodelle tatsächlich bevorzugt werden. Die Nachfrage nach Rental-Angeboten ist in den letzten Monaten leicht gestiegen, aber auch Leasing spielt nach wie vor eine Rolle.“
Natürlich bieten nicht nur die Staplerhersteller eine Finanzierung der Geräte an. Banken und andere Finanzunternehmen wie die erwähnte Gefa sind ebenfalls in diesem Geschäftsfeld aktiv, und es gibt weitere herstellerneutrale Anbieter wie zum Beispiel die Chemion Logistik GmbH, die primär im Vermietgeschäft aktiv ist und über einen Mietpool von mehr als 2 000 Flurförderzeugen verfügt, darunter 400 explosionsgeschützte Stapler.
Angelo Lombardo, Leiter FFZ-Fleetmanagement: „Für Unternehmen, die Flurförderzeuge für einen Zeitraum zwischen zwei bis vier Jahren benötigen, sind Leasingmodelle in mehrfacher Hinsicht besonders attraktiv. Zum einen ermöglichen sie es ihnen, Geräte bei Bedarfsänderungen flexibel auszutauschen, zum anderen entfällt das Restwert- und Vermarktungsrisiko, das beim Kauf bestehen würde.“
Interessant nicht nur für die Staplerbranche ist die Marktentwicklung bei der Kurzzeitmiete. Sie wird von Unternehmen in der Regel genutzt, um kurzfristige oder unerwartete Bedarfsspitzen abzudecken. Wenn es hier ein Plus gibt, haben die Unternehmen also mehr zu tun. Wenn das ein wirksamer Konjunkturindikator ist, darf man hoffnungsvoll sein. Matthias Fischer, Toyota Material Handling: „Aktuell können wir bei kurzzeitigen Mietverträgen ebenfalls eine leichte Belebung feststellen. Ob diese nachhaltig ist, wird die Zukunft zeigen.“
Schon die Größe der Mietflotten zeigt übrigens, dass das kurzfristiges Anmieten von Staplern für viele Unternehmen gängige Praxis ist. Allein die Linde-Vertragshändler halten deutschlandweit rund 6 200 Geräte für die Kurzfrist-Miete bereit.
Am liebsten im Paket
Bei allen befragten Anbietern wächst die Nachfrage von Finanzierungsangeboten in Verbindung mit individuellen Dienstleistungspaketen wie z.B. Full-Service-Lösungen. Vor allem größere Kunden setzen auf komplettes Outsourcing.
Das kann soweit gehen, dass sich ein Staplerhersteller oder ein neutraler Dienstleister dazu verpflichtet, für die
aktuellen Aufgaben immer die richtige Staplerflotte bereitzustellen und sich dabei auch kurzfristig veränderten Anforderungen anpasst. So wird der Hersteller zum Dienstleister – ein Langfrist- Trend, der nicht nur in der Staplerbranche zu beobachten ist.
Meine Meinung
Die Praxis beim Vertrieb von Staplern zeigt, das die Flurförderzeug- Produzenten begriffen haben, ihre Kunden optimal zu bedienen. Mit Finanzierungsinstrumenten, wie diesen, die hier aufgeführt sind, können die Staplerbauer ihren Kunden einen echten Zusatznutzen bieten – und dies gerade in Zeiten, in denen die Banken eher auf dem Geldsäckel hocken, anstatt Handel und Industrie zu unterstützen. Ob sich solche Instrumente auch zunehmend in anderen Bereichen der Intralogistik verbreiten werden, bleibt allerdings abzuwarten.
Leo Breu, Chefredakteur Materialfluss#
Chemion Logistik GmbH, E-Mail: chemion@chemion.de, www.chemion.de
Jungheinrich AG, E-Mail: info@jungheinrich.de, www.jungheinrich.de
Toyota Material Handling Deutschland GmbH, E-Mail: info@de.toyota-industries.eu
GEFA-Leasing GmbH, E-Mail: service@gefa.de, www.gefa.de
Linde Material Handling GmbH & Co. KG, E-Mail: info@linde-mh.de, www.linde-mh.de
Zeppelin Baumaschinen GmbH, E-Mail: zeppelin@zeppelin.com, www.zeppelin.de
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